Undercover auf Mission: Recherche im Unterholz
Es lässt sich schließlich aus allem ein Reibach machen. In Sibirien tief drinnen im Wald sind Holzfäller zugange, die ohne Genehmigung schöne alte Bäume umnieten und die Stämme nach China verfrachten, wo sie verarbeitet und anschließend in Gestalt von schickem Parkettholz in alle Welt geschippert werden. Im Lebensraum des Sibirischen Tigers wird es währenddessen noch ein wenig lichter und ungeschützter, nicht einmal die letzten paar Jahre vor dem Aussterben ist ihm Ruhe vergönnt. Dabei wird ja auch mit Genehmigung mehr als genug abgeholzt; man braucht nur an Brasilien zu denken, damit es einem graut.
Aber wozu überhaupt in die Ferne schweifen, wenn das Schlechte gleich vor der eigenen Haustür liegt? Beziehungsweise halt mal grad ums Eck, in Rumänien, wo die österreichische Firma Schweighofer auf ihrem Raubzug im postkommunistischen „Wilden Osten“ alles aufkauft, was sich in Späne verwandeln lässt. Ganz egal, wo das Holz herkommt, ob aus einem jener riesigen Waldgebiete, die als die letzten Urwälder Europas gelten, oder gleich aus dem rumänischen Nationalpark.
Seit jeher ergeben Ruchlosigkeit, Geldgier und Korruption jene stahlharte Mischung, mit der das Böse seinen Weg pflastert und den Fortschritt sicherstellt. Und wer sich ihm entgegen wirft, läuft Gefahr, in einem Schlagloch auf Nimmerwiedersehen zu versinken. So wie die sechs rumänischen Forstangestellten, die in Ausübung ihrer Tätigkeit ihr Leben ließen und an die am Ende von Wood erinnert wird. Von einer „Holz-Mafia“ ist im gegebenen Kontext nämlich nicht umsonst die Rede. Der Begriff mag eher bieder und gemächlich klingen, Fakt aber ist, dass mit illegaler Abholzung jährlich Milliarden umgesetzt werden; die Gewinnspanne ist beträchtlich und die kriminelle Energie entsprechend.
Das sind also keine kleinen Fische, mit denen sich die Aktivisten von der Environmental Investigation Agency (EIA) mit Sitz in Washington, DC, anlegen, denen wiederum Sinzinger, Kirst und Lazurean-Gorgan in ihrer Investigativ-Doku auf den Fersen sind. Der Chef der engagierten Truppe, Alexander von Bismarck, Nachfahre des Eisernen Kanzlers und wohl deswegen so unerschütterlich in seinem Bestreben, macht sowohl im Outdoor-Outfit an den Tatorten bella figura als auch im Business-Zwirn an jenen Orten, an denen die Untaten geplant werden. Dann bekommt es das Publikum mit wackeligen Handy-Aufnahmen und verrauschtem Ton zu tun, denn schließlich sind wir hier nicht im Arthouse, sondern bei der Verbrechensbekämpfung. So gesehen sind denn auch die Protagonistinnen und Protagonisten wie die Macherinnen dieses Films heroisch.
