Watchmen

Serie | Interview

Wow, macht er das wirklich?

| Marietta Steinhart |
Oscar-Preisträgerin Regina King über Schöpfer Damon Lindelof, ihre Rolle und ihre prominenten Kollegen beim HBO-Serien-Remix des Superhelden-Kultcomics „Watchmen“.

Frau King, Damon Lindelof konnte sich keine andere in der Rolle der Sister Knight vorstellen als Sie. Er meinte, dass Sie eigentlich kein Fernsehen mehr machen wollten, außerdem sind Sie jetzt noch gefragter als vor Ihrem Oscar für „Beale Street“. Was hat Sie umgestimmt?
Regina King:
Die Erfahrung, die ich mit Damon bei The Leftovers gemacht habe, war von unschätzbarem Wert. Er ist als Schöpfer jemand, dem ich als Schauspielerin wirklich vertrauen kann. Wenn also diese Person zu dir kommt und sagt, „ich habe dieses Projekt und ich kann mir niemanden außer Dir vorstellen, mit dem ich auf diese Reise gehen möchte“, dann muss ich es nicht einmal lesen. Dann habe ich das Drehbuch bekommen und es hat mich umgehauen. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Und dann hat er mir gesagt, dass Nicole Kassell die Pilotfolge drehen wird und ich wusste, dass ich gut aufgehoben bin. Denn, wissen Sie, während Sie Liebesszenen sehen und sich denken, „Wow, die haben eine großartige Chemie“, ist es für mich unglaublich unangenehm! (Lacht.) Also wenn all diese Elemente stimmen, kann man einfach nicht Nein sagen.

Die Serie beginnt mit den Rassenunruhen in Tulsa, das scheint auch ein Game-Changer für Sie gewesen zu sein.
Regina King:
Eines der schönen Dinge an Amerika ist, dass wir eine so reiche Geschichte haben, obwohl einige Leute diese Geschichte gern überarbeiten würden, aber es ist nun einmal die, die wir haben. Wenn es um Erzählungen geht, die von der Erfahrung der schwarzen Amerikaner handeln, dann wiederholen sich immer die gleichen Geschichten. Meine Schwester – die auch meine Produktionspartnerin ist – und ich haben über so viele andere Geschichten gesprochen, Black Wall Street und die Harlem Renaissance zum Beispiel. Es gibt so viel da draußen. Warum gibt es niemanden, der mehr Macht als wir und das dreht?! Es ist also ein Gespräch, das wir seit Jahren führen. Dann habe ich dieses Drehbuch bekommen und als ich auf Seite fünf ankam, dachte ich nur: „Wow, macht er das wirklich?“ Damon ist ein Genie. Ich weiß, dass einige Leute das Gefühl haben, dass dieses Wort überstrapaziert wird, aber was für ein Einstieg in diese Welt; was für ein Weg, um die Punkte in der realen Welt zu verbinden: wo wir waren und wie weit wir noch nicht gekommen sind. Das finde ich ziemlich genial.

„Watchmen“ fühlt sich für unsere Zeit sehr relevant an, vor allem in den Vereinigten Staaten…
Regina King: Einhundert Prozent.

Hat sich das auf die Art und Weise ausgewirkt, wie Sie die Figur angelegt haben?
Regina King:
Das Ausgangsmaterial ist die Geschichte der Welt, in der wir leben. Aus diesem Grund sind die Regeln bereits festgelegt. Jeder einzelne Beteiligte kam mit dem Verständnis dieser Regeln ins Spiel. Es ist also fast unmöglich, das nicht Teil der DNA Ihres Charakters sein zu lassen.

Wie würden Sie Ihre Figur denn beschreiben?
Regina King:
Ich mag es, dass sie so viele verschiedene Masken trägt und das ist eines der Themen in der Geschichte, die wir erzählen. Wir sehen drei verschiedene Masken. Wir sehen die Mutter. Wir sehen sie, wenn sie mit ihrem Ehemann zusammen ist. Und dann gibt es Sister Knight. Sie steht für alle Menschen. Wir ändern ständig unsere Masken.

Können Sie über die Arbeit mit Louis Gossett Jr. sprechen? Er hat je den Oscar für seine Nebenrolle in An Officer and a Gentleman und seine Schauspielkarriere erstreckt sich über fünf Jahrzehnte.
Regina King:
Er ist legendär! Er ist filmischer Adel. Ihn zu treffen ist so ein Geschenk. Ein paar junge Leute wussten nicht, wer er war. Die haben wir dann gleich beiseite genommen und ihnen eine Lektion in Filmgeschichte erteilt. (Lacht.) Das Schöne an der Arbeit mit Damon ist, dass er kollaboriert. Wir müssen das Gefühl haben, dass wir unser eigenes Talent einbringen können. Einmal haben sie Louis digital gealtert, also sie haben ihn wirklich um vieles älter aussehen lassen. (Lacht.) Und er sagte: „Wisst ihr, ich bin schwarz, wir altern nicht so“. Sie haben das dann ein wenig reduziert, aber das ist nicht immer so auf einem Set.

Ist Don Johnson in natura so eine Ikone wie im Fernsehen?
Regina King:
Oh ja! Don wird vielleicht sauer, wenn ich das erzähle, aber als Schauspieler ist es eines der schönsten Dinge, wenn Sie auf einen Veteranen stoßen, der immer noch genauso nervös ist wie Sie – und er wurde ein bisschen nervös, bevor wir gesungen haben.

Ich muss Sie das abschließend fragen: Wie fühlt es sich an, einen Oscar zu haben?
Regina King:
Ich denke, was es so fantastisch gemacht hat, ist, dass es die Arbeit von James Baldwin ist. Er ist unser literarischer amerikanischer Held. Und auf der Bühne stehen zu dürfen, um die erste Filmadaption seiner Arbeit zu repräsentieren, war einfach surreal. Und dann bin ich nach Hause gegangen, um Watchmen zu drehen. (Lacht.) Das hat mich in Schach und auf dem Boden gehalten. Ich kann mich jetzt nicht ausruhen, dachte ich, weil wir Watchmen drehen. Aber das hat es nur noch süßer gemacht.