Selbstreferentielles, anspruchsvoll inszeniertes Meta-Exploitation-Movie
Ein sechsköpfiges Filmteam aus Houston reist 1979 ins texanische Hinterland, um einen Porno mit dem Titel „The Farmer’s Daughters“ zu drehen. Eine blondierte, abgebrühte Burlesque-Tänzerin mit großer Klappe und die Kokain schnupfende Stripperin Maxine sollen für Erektionen beim zahlenden Publikum sorgen. Maxine möchte so berühmt wie Marilyn Chambers werden, die 1972 mit Behind the Green Door, einem Klassiker des Hardcorefilms, Star-Status erlangte.
Das Team gelangt an eine abgelegene, heruntergekommene Farm, deren verwittert aussehender, knorrig-kauziger Besitzer die Neuankömmlige mit einer Schrotflinte im Anschlag begrüßt. Besänftigt mit einer Handvoll Dollar weist er den Besuchern ein Nebengebäude als Unterkunft an, ohne zu ahnen, was sie vorhaben. Seine sinister wirkende Gattin Pearl späht neugierig aus dem Fenster im ersten Stock des Wohnhauses. Später beobachtet sie unbemerkt die heimlichen Dreharbeiten in der Gästebaracke und im Kuhstall. Pearl fühlt sich zu Maxine hingezogen, ihr blauer Lidschatten erinnert die gespenstische Greisin an eigene Jugendzeiten als Tänzerin.
Bevor das Schlachtfest beginnt (mit Momenten verstörender Zärtlichkeit, wenn es um Sex im Alter geht), nimmt sich der filmsprachlich versierte Autorenfilmer Ti West Zeit für die Charakterisierung der Figuren (mit Mia Goth in einer Doppelrolle als Maxine/Pearl) und die Erkundung der Schauplätze (gedreht wurde in Neuseeland), sowie zur Schaffung einer latent bedrohlichen, zunehmend unheimlichen Stimmung. Perfekt passend zum Filmgeschehen ist der Soundtrack konzipiert. Der Komponist und -Leadgitarrist von Marilyn Manson, Tyler Bates, schuf mit der Liedermacherin Chelsea Wolfe einen hypnotisch dräuenden Score. Zu Beginn sorgt der Song „In the Summertime“ für Zeitkolorit und gut gelaunte Aufbruchsstimmung. Beim Pornodreh dient „Act Naturally“ quasi als Regieanweisung und artikuliert Maxines Filmstar-Träume.
X bereitet Kinokundigen immenses visuelles Vergnügen, mit Anspielungen u. a. auf The Texas Chainsaw Massacre, Jaws und, namentlich genannt, Psycho sowie einer Vielzahl virtuos eingesetzter Techniken: Aufnahmen aus Unter- und Obersicht, Spiegelbilder (einmal sogar auf der Kameralinse), langsame Zooms, Splitscreen, Parallelmontagen, suggestive Bildanschlüsse, traumhafte Totalen aus der Vogelperspektive. Man ahnt bis zur überraschenden Schlusspointe nie, was als Nächstes passiert.
