You’re Next

| Oliver Stangl |

Slasherfilm mit humoristischen Einschüben

Ein Haus im amerikanischen Mittelwesten: Das wohlhabende Ehepaar Harson lädt an einem Wochenende seine zahlreichen Kinder samt deren Anhang zum Familienfest ein. Die Brüder und Schwestern haben sich schon länger nicht mehr gesehen, Spannungen sind vorprogrammiert. Und tatsächlich gibt es schnell Reibereien zwischen jenen, die es im Leben zu etwas gebracht haben und anderen, deren Karrieren etwas ins Stocken geraten sind. Universitätsprofessor Crispian (A.J. Bowen) etwa hat schon seit einer Weile nichts mehr publiziert, zieht jedoch seiner hübschen Freundin Erin (Sharni Vinson) wegen neiderfüllte Bemerkungen auf sich. Doch ist das nichts gegen den Schrecken, der beim abendlichen Familienessen kurz nach dem Dankgebet losbricht: Nachdem Pfeile ins Innere des Hauses geschossen werden, verbarrikadiert man sich, eine Gruppe von Killern mit Tiermasken braucht aber nicht lange, um ins Innere vorzudringen. Die Mobiltelefone funktionieren natürlich auch nicht – glücklicherweise nicht wegen Akkuausfalls, sondern wegen einer Jamming-Vorrichtung der Täter. Sieht es zunächst so aus, als habe man den brutalen Eindringlingen nicht viel entgegenzusetzen, entpuppt sich Erin als überaus wehrhaft, hat sie doch eine Kindheit in einem australischen Survivalist-Camp hinter sich. Was folgt, ist ein verlustreicher Krieg ums Überleben.

Da der Film mit einem bescheidenen Budget von einer Million Dollar umgesetzt wurde, kann man auch über einige Schwächen hinwegsehen. So ist der Look eine Spur zu clean, und auch die Musik weist relativ penetrant darauf hin, dass gleich wieder eine spannende Szene kommt. Die Qualität des Schauspiels ist relativ durchwachsen und reicht von solide bis durchschnittlich – wirklich herausragend ist nur Sharni Vinson als ebenso hübsches wie toughes Final Girl. Doch macht es durchaus makaberen Spaß, Erins Erfindungsreichtum bei Selbstverteidigung und Angriff zu beobachten (was man mit einem Mixer nicht alles an Brutalität anstellen kann!). Ob einen das Motiv der Killer überrascht, liegt an der Aufmerksamkeit, die man in die Handlung investiert.

You’re Next bedient sich diverser Horrortopoi – das Haus als Festung bietet keine Sicherheit mehr, Sex kann zum Tod führen – und geizt nicht mit blutig-brutalen Szenen sowie Anspielungen auf Horrorklassiker wie The Shining. Aus dem 08/15-Slasherschema hebt sich der Film aber vor allem durch hin und wieder eingestreutem Humor heraus, der in seinen besten Momenten an Wes Cravens Scream-Reihe erinnert.