Filmkritik

Yves Saint Laurent

| Alexandra Seitz |
Versuch, einem Bekleidungsgenie nahe zu kommen. Gescheitert.

Was ist Mode? Das, was die Nacktheit des Körpers verbirgt? Hülle? Äußerer Schein? Kleider machen Leute, heißt es. Was eine oder einer anzieht ist eine Aussage. Oder eine Ansage. Mode ist ein ästhetisches Gestaltungsprinzip mit gesellschaftlicher (Rück)Wirkung. Figurbetont oder leger, Rüschen oder klare Linien – der Schnitt des Kleidungsstückes fungiert als Statement, verortet Designer wie Träger und Trägerinnen im historischen und im sozialen Raum. Über die Mode lässt es sich auf nicht-triviale Weise trefflich nachdenken, weil der Weg zum Laufsteg von der Straße abzweigt und auf diese zurückführt.

So gesehen durfte man auf Jalil Lesperts Yves Saint Laurent, das biografische Porträt eines der bedeutendsten Modeschöpfers des 20. Jahrhunderts, gespannt sein. Was würde es zu sagen haben über diesen schüchternen, hochbegabten Mann, der die Frauenmode revolutionierte? Der die Kundinnen Diors, als dessen Assistent er 1955 seine Karriere begann, mit seinen modernen Designs verprellte? Der 1967 den berühmten Hosenanzug für Frauen (Le Smoking), ein Zeichen der Selbstermächtigung, kreierte? Der Mondrian in Form eines Minikleides aus dem Museum in den Alltag brachte? Die Antwort ist so schlicht wie enttäuschend: Nichts.

Lespert konzentriert sich aufs Private – zuvörderst auf die Beziehung zwischen Saint Laurent und dessen Lebensgefährten und Geschäftspartner Pierre Bergé – und blättert einen Bilderbogen schwulen Pariser Bohéme-Lebens in den wilden sechziger und siebziger Jahren auf. Die üblichen Partys, Sex und Drogen, wie üblich in Szene gesetzt – und immer wieder mal steckt der notorische Karl Lagerfeld seine Pappnase ins Bild und erinnert daran, wie schnell aus Ikonen Celebrities werden können. Es ist jede Menge los und die Schauwerte kommen nicht zu kurz, zu kurz aber kommt – und das ist schlicht sträflich – die Geschichte der Mode. Weder gelingt es dem Film, der Persönlichkeit Saint Laurents nahe zu kommen, noch schafft er es, dessen stilprägende Bedeutung über rein kursorische Behauptungen hinaus zu verdeutlichen. Am Spiel des jungen Pierre Niney in der Titelrolle liegt das nicht, der gibt den angstgeplagten, von zahlreichen Abhängigkeiten gebeutelten Mann ohne Fehl und Tadel. Es liegt vielmehr am unordentlichen Drehbuch, das ohne dramaturgische Stringenz Episoden ohne Substanz aneinanderreiht, stattdessen auf oberflächliche Opulenz setzt, dabei doch nur vor sich hin dümpelt und schließlich ausläppert. Ein filmischer Jogginganzug.