Das sehr zurückhaltend gefilmte Porträt eines Hospizes zeigt die Vorbereitung auf den Tod nicht als angstbesetzte Ausnahmesituation, sondern als einen natürlichen Abschnitt des Lebens.
Als „langsam und leise“ beschreibt Anita Natmeßnig die Atmosphäre im Caritas-Hospiz Rennweg in Wien. Der Alltag in dieser Einrichtung für sterbende Menschen vollzieht sich in einem beruhigenden Tempo, das man im hektischen Alltagsleben kaum mehr kennt. Genauso wenig hört man Lärm in dieser Umgebung, in der insgesamt zwölf Patienten die letzten Wochen und Monate ihres Lebens verbringen. Hier sind Menschen mit unheilbaren Krebsleiden untergebracht, Natmeßnig hat sie drei Monate lang mit der Kamera begleitet. Die Drehgenehmigung erhielt die Regisseurin nur, weil sie während ihrer Psychotherapieausbildung dort ein Praktikum absolvierte und die Verantwortlichen dadurch besonderes Vertrauen zu ihr fassten. Entsprechend behutsam ging sie bei den Dreharbeiten vor, die Bedürfnisse der Patienten stellte sie an die oberste Stelle. Das Ergebnis ist eine Dokumentation, die sich ganz der vorherrschenden Stimmung angepasst hat. Die Kamera bleibt statisch und unaufdringlich, auf Großaufnahmen wurde verzichtet, um einen voyeuristischen Blick zu verhindern. Die Regisseurin übernimmt die Position der zurückhaltenden Beobachterin, greift kaum in die gegebenen Tagesabläufe ein, führt die Gespräche mit großem Einfühlungsvermögen. Gezeigt werden dabei kleine Geschichten des Alltags, eine Patientin wird gewaschen, eine andere erhält Besuch von ihren Kindern und Enkeln, ein Bewohner genehmigt sich während einer Plauderei mit der Betreuerin ein Gläschen Cognac. Bewundernswert ist, dass sowohl Personal als auch Patienten eine durchwegs positive Stimmung verbreiten. Angst vor dem Tod findet man kaum, verzweifelte Zusammenbrüche oder Tränen gibt es keine. Der Tod ist hier kein Schreckgespenst, sondern Teil des Lebens, und das Warten darauf einfach nur dessen letzter Abschnitt. 70 Prozent der Hospiz-Patienten sterben dort, nur wenige, deren Gesundheitszustand sich verbessert, werden wieder entlassen. Sehr bewegend ist die Geschichte von Herrn Linhart, einem Lungenkrebspatienten, der zurück in seine Wohnung zieht und dort regelmäßig von einer Betreuerin besucht wird, bis er am Ende wieder ins Hospiz zurückkommt. Die Bilder dokumentieren seinen immer schlechter werdenden Zustand und verdeutlichen die Unabänderlichkeit seines Weges, der letztlich zum Tod führen wird.
In seiner Geschichte entwickelt sich auch ein spannender dramaturgischer Faden, während der Film ansonsten auf die Vermittlung des Atmosphärischen beschränkt bleibt.
