Dystopischer Verschwörungsthriller, Made in France
Alles- und nichtssagend klingt es im Trailer zu Cédric Jimenez’ dystopischem Thriller Zone 3: „Die Zukunft unserer Gesellschaft liegt allein in unseren Händen“. Doch nach 100 Minuten weiß das Publikum, dass die Tagline eine Kampfansage des „einfachen Volkes“ gegen die ihre Vorzugsstellung immer schamloser ausnutzende Politik der Mächtigen ist. Gut gespielt und bei allem Aufwand erfreulicherweise fast ohne CGI-Effekte auskommend, liefert die Adaption von Laurent Gaudés Sci-Fi-Bestseller „Chien 51“ den Beweis dafür, dass im gegenwärtigen französischen Kino soziopolitisch relevante Themen beklemmend und stylish zugleich präsentiert werden können.
Paris im Jahr 2045: In drei streng voneinander getrennte Zonen (1 = Elite, 2 = Privilegierte, 3 = der kümmerliche Rest) aufgeteilt, wacht ALMA, eine hochentwickelte prädiktive künstliche Intelligenz, die sogar das Polizeisystem kontrolliert. Als der Schöpfer dieser Technologie ermordet wird, setzt man Agentin Salia Malberg (Adèle Exarchopoulos) aus Zone 2 auf den Fall an. Doch scheinbar gibt es nicht viel zu untersuchen, da der Innenminister (Romain Duris) erstaunlich schnell verkündet, dass der Anführer der „Wallbreaker“-Widerstandsbewegung (Louis Garrel), hinter dem Anschlag steckt. Als aber eine zweite Leiche in Zone 3 entdeckt wird, ist Salia darauf angewiesen, bei den weiteren Ermittlungen mit dem dort zuständigen Ex-Junkie Zem Sparak (Gilles Lellouche) zusammenzuarbeiten. Für gegenseitige Animositäten bleibt beiden keine Zeit, denn offenbar steckt hinter den Morden viel mehr, als es das ungleiche Duo jemals für möglich gehalten hätte …
Trotz omnipräsenter KI und knalliger Action ist der 42 Millionen Euro teure – nach Bac Nord – Bollwerk gegen das Verbrechen (2020) und November – Paris im Fadenkreuz (2022) – letzte Teil von Jimenez’ Trilogie zur Strafverfolgung nicht nur mit Hirn, sondern auch Herz und Hand gemacht. Die Chemie zwischen Exarchopoulos und dem in Ehren ergrauten Lellouche, der sie in seinem Regie-Debüt Beating Hearts (2025) besetzt hat, wird von Filmminute zu Filmminute stimmiger. Doch bei aller Buddy-Cop-Dynamik verliert der komplexe Verschwörungsthriller mit Ex-Daft-Punk-Musiker Thomas Bangalter in einer Nebenrolle nie die sozialen Unterschiede zwischen Arm und Reich aus den Augen. Ganz zukunftsorientiert zudem die neue Form von Product Placement: Das als Koproduzent im Vorspann genannte Modeunternehmen Lacoste zeigt eigene Werbespots auf gigantischen LED-Screens – inmitten all der zerfallenen Gebäude von Zone. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
