Zu ebener Erde

| Andreas Ungerböck |

Jay Roachs Komödie „The Campaign“ macht sich über US-Wahlkampfgeflogenheiten lustig.

Nein, es geht nicht um die bevorstehende Präsidentenwahl. Das wäre ein paar Etagen zu hoch gegriffen für diese schlichte, wenn auch einigermaßen unterhaltsame Komödie, die natürlich nicht zufällig im Sommer vor der großen Entscheidung in den USA gestartet ist – und das ziemlich erfolgreich. Bis dato hat sie mehr als 85 Millionen Dollar eingespielt. Das ist nicht wenig, andererseits aber auch kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass einschlägige Fachkräfte der so genannten Gross-Out-Comedy vor und hinter der Kamera werken – allen voran Regisseur Jay Roach, der schon in den Austin-Powers-Filmen eher nicht die Feinwerkzeuge einsetzte, und Will Ferrell, der – neben Adam Sandler – aktuell wohl breitenwirksamste Komiker der USA – mit gewohnt sparsamer Mimik, dafür aber umso heftigerem Körpereinsatz. Dazu kommen u.a. noch Chris Henchy als Drehbuchautor, der für den wirklich lustigen Cop-Film The Other Guys (ebenfalls mit Ferrell) verantwortlich zeichnete, und Hangover-Star Zach Galifianakis als W.F.s Gegenspieler.
Die Story beginnt „tief“, wie man in Wien sagt, und sie wird beständig tiefer. Cam Brady, seit vier Amtsperioden unangefochtener Vertreter des 14. Wahlbezirks von North Carolina im US-Kongress, schreckt eine (gar nicht so) brave Kleinfamilie (alle Familien in dem Film bestehen aus Vater, Mutter, Sohn und Tochter) mit einer fehlgeleiteten Message auf deren Anrufbeantworter vom Abendmahltisch hoch. Er hat sich verwählt, und seine Obszönitäten landen nicht bei seiner Geliebten, sondern mitten unter dem Wahlvolk. Der Skandal ist groß, aber Brady (und sein Wahlkampfleiter Mitch) sind weiß Gott geübt darin, solche Peinlichkeiten auszubügeln. Und was ist das schon gegen all das, was noch folgen wird? Zu seiner Überraschung allerdings sieht sich Brady im aktuellen Wahlkampf erstmals seit längerer Zeit mit einem Gegenkandidaten konfrontiert: dem Tourismusbeauftragten der Kleinstadt Hammond, Marty Huggins. Dieser, ein schlecht gekleideter Biedermann vom Scheitel bis zur Sohle, wurde von gerissenen Geschäftsleuten, den üblen Motch Brothers (ein Casting-Coup schlechthin: die grandiosen Veteranen Dan Aykroyd und John Lithgow) engagiert. Diese beiden verfolgen – man ahnt es – finstere arbeitsmarktpolitische Ziele, für deren Umsetzung der tumbe Tor Marty genau das richtige und willige Werkzeug zu sein scheint.

Doch natürlich kommt es (eh nicht) anders, als man denkt, und nach 85 turbulenten Minuten ist in der Kleinstadt fast kein Stein mehr auf dem anderen. Die beiden Kandidaten haben sich, einander, ihre Familien, die Medien und die potenziellen Wähler wahrlich nicht geschont. Nicht alle Gags zünden, und man muss sich schon fragen, was die Drehbuchautoren daran lustig finden, wenn Cam Brady im Wahlkampfgetümmel einem Baby mit der Faust ins Gesicht schlägt (auch The-Artist-Hund Huggie, der als „Figur“ in The Campaign, warum auch immer, ebenfalls auftaucht, bekommt sein Fett ab), aber manches macht einen doch lachen – etwa wenn der Atheist Cam Brady, in einem verzweifelten Versuch, religiöse Wähler nicht zu vergraulen, eine Tour de Force durch alle möglichen und unmöglichen Glaubensrichtungen unternimmt (und im Zuge dessen, mit fatalen Folgen, auch bei einer Schlangen anbetenden „Kirche“ landet). Oder wenn Marty, wegen seiner phlegmatischen „chinesischen“ Hunde als „Kommunist“ beschimpft wird. Oder über Dylan McDermott, der einen wunderbar schmierigen Wahlkampfleiter für Marty abgibt („I make sure that you don’t suck“).

Letztlich werden im Bemühen, permanent Wuchteln zu produzieren, viele Chancen vertan, und im Zweifelsfall hat man sich meist für das Offensichtliche entschieden. Ein bisschen mehr Subtilität hätte selbst hier nicht geschadet.