Zurück im Sommer

| Bettina Schuler |

Klischeebeladenes Familiendrama, das trotz guter Besetzung an einer langatmigen Inszenierung scheitert.

„Du hast eine wunderbare Handschrift.“ Ein größeres Kompliment bringt der Literaturprofessor Charles Taylor (Willem Dafoe) seinem Sohn Michael gegenüber nicht über die Lippen. Stattdessen setzt er ihn physischen und psychischen Misshandlungen aus, übt einen immensen Leistungsdruck auf seinen Sohn aus, was Michaels Mutter (Julia Roberts) wiederum mit einem Übermaß an Fürsorge zu kompensieren versucht. Doch alle ihre Versuche, die Situation zu deeskalieren, bleiben vergebliche Liebesmüh, Sohn und Vater kommen einfach nicht mehr zusammen. Erst als Michael (Ryan Reynolds) 25 Jahre später in die heimische Kleinstadt zurück kehrt, um den Universitätsabschluss der Mutter zu feiern, scheint sich durch einen tragischen Unfall die Spannung zwischen Vater und Sohn langsam zu lösen. Mit Fireflies in the Garden gibt Dennis Lee sein Regiedebüt, zu dem er auch das Drehbuch schrieb, und für das es ihm gelang, ein bemerkenswertes Schauspielerensemble zu engagieren. Doch auch alle diese begabten Schauspieler können nicht über die Schwächen und die Klischeehaftigkeit von Lees Erstlingswerk hinwegtäuschen. Schon bei den Kostümen verlässt sich die Inszenierung auf bewährte, aber auch abgegriffene Stereotypen: So trägt der junge, unverstandene Michael natürlich eine schwarze Besserwisser-Hornbrille, die brave Professorengattin dagegen ist immer tipptopp gekleidet, gerne in Twin-Set und mit schicken Perlenohrringen. Auch bei den dunklen Familiengeheimnissen, die durch Rückblenden nach und nach ausgegraben werden, kann der Regisseur der Versuchung nicht widerstehen, ein wenig zu tief in die Klischeekiste zu greifen: Brutalste Misshandlungen, Inzest und Alkoholprobleme, gepaart mit jeder Menge Egomanie, in Dennis Lees Inszenierung haben alle ihre Sucht oder Neurose. Doch anstatt am Ende diese Konflikte in einem großen Knall eskalieren zu lassen oder durch Zwiegespräche aufzulösen, verläuft das mit viel Aufwand aufgebaute Familiendrama durch die Schwangerschaft von Michaels Ex-Ehefrau am Ende einfach im Sand. Warum, diese Frage bleibt weitgehend unbeantwortet. Schlussendlich ist Fireflies in the Garden ein langatmiges Drama, das den Zuschauer ziemlich ratlos zurücklässt. Insbesondere, weil sich die Frage aufdrängt, warum eine Riege von hochkarätigen Schauspielern angesichts eines schlechten Drehbuchs überhaupt bei diesem Film mitgewirkt hat.