Einstürzende Altbauten, uralte Monster, Old-School-Familienbande, viel CGI-Lärm um wenig Story: „Godzilla: King of the Monsters“ ist – bei aller Echsen-Liebe – ein Beispiel für Eventkino der verbrannten Erde.
Man sollte sich ja ohnehin nicht lang mit Plots und Storylines aufhalten in den Blockbusterwelten unserer Tage, aber in diesem Fall ist eine Inhaltsangabe ganz besonders unergiebig. Die meisten Dinge, die hier erzählerisch passieren, spielen nicht wirklich eine Rolle. Nun gut, das war in den frühen Godzilla-Filmen des japanischen Toho-Studios auch nicht der Fall, und auf diese bezieht sich die gigantomanische Fandom-Produktion Godzilla: King of the Monsters. Der geschäftliche Kern des Ganzen: Der Superheldeninflation der Konkurrenz setzt Warner Bros. mittlerweile ein Monster-Multiversum aus King Kong und Godzilla entgegen. Bevor kommendes Jahr eben jene beiden gegeneinander antreten dürfen, geht die 2014 neu aufgelegte Godzilla-Reihe (Psychogramm eines Monsters – ray 05/2014) in die zweite Runde (und übernahm „Fanboy“-Regisseur Michael Dougherty die Regie-Verantwortung von Gareth Edwards). Dass darin die Fetzen fliegen, wäre die Untertreibung der Saison, bekommt es die gute alte Riesenechse doch mit gleich drei Artverwandten zu tun.
Die riesigen Kreaturen heißen Rodan, Mothra und King Ghidorah und stammen aus der klassischen Toho-Mythologie, doch irgendwie machen sie den Eindruck, sie könnten genauso gut einem entfesselt mutierten Genpool auf Steven Spielbergs berühmter Saurier-Insel entsprungen sein. Die Parallele ist auch sonst offenkundig, hier spielt eine fortschrittsgläubige Regierungsagentur Monopoly auf Kosten der Erdenbewohner, und nun droht der Planet ganz nach dem Motto „Ist der Geist erstmal aus der Flasche“ von den geweckten Urviechern beherrscht zu werden. Deren Top-Player Ghidorah wird übrigens nicht wenige an die drei Drachen von Daenerys Targaryen erinnern.
Die menschlichen Figuren krabbeln über weite Strecken wie Ameisen herum zwischen einstürzenden Altbauten und sonstigen Kollateralschäden der digitalen Titanenkämpfe, welche leider ähnlich vernebelt, dunkel und folgefalsch inszeniert sind wie die vieldiskutierte, größte Schlachtenszene von Game of Thrones in der Episode „The Long Night“. Man könnte sich ein ums andere Mal wundern, wie auch nur einzelne Menscheninsekten das hier präsentierte, von Wetterkapriolen noch verstärkte, aber eh schon bombastische Feuer-Rauch-und-Dröhn-Inferno der Giganten überstehen können. Statt „suspension of disbelief“ herrscht eine Art „permanent digital belief“, mit anderen Worten: Raum- und Bewegungslogik wird immer wurschter im Actionspektakel.
Narrative Fragmente zum Anhalten gibt es: Die altbackene Drama-Konstante, nach der ein Teenager zwischen getrennten Elternteilen hin- und hergerissen wird, ist das meist ausgewalzte davon (Millie Bobby Brown, immerhin Vera Farmiga und Kyle Chandler); ein anderes betrifft eben den Urmonster-Mythos, der allerdings nur eingefleischte Godzillaner ernsthaft interessieren dürfte. Ohne Kaiju-Auskennern nahe treten zu wollen: Hätte man den menschlichen Charakteren ähnlichen Gestaltungswillen angedeihen lassen wie den durchaus phantasievollen Titanen, Godzilla 2 wäre womöglich ein brauchbarer, vielleicht sogar ein mitreißender Film geworden. So aber wird ein hochkarätiges Schauspiel-Ensemble an ein schwachbrüstiges Figurenarsenal verschenkt. Ken Watanabe oder Zhang Ziyi zum Beispiel sind einzig und allein dazu angetan, ein paar asiatische Originalduftmarken zu setzen, dabei hätten gerade solche Kaliber memorable Rollen verdient.
Zuviel der Worte. Wem es schwergefallen ist, sich von Daenerys‘ Drachen zu verabschieden, ist hier richtig. Jene hat im Finale von GoT psychologisch die Flucht nach vorn angetreten, auf ihre Weise macht das hier Vera Farmigas Zoologin. Sie hat edle Motive, welche freilich direkt in den Wahnsinn führen. Dabei hätte ein Kommunikationssystem mit dem sprechenden Namen ORCA sie auf den Pfad der Tugend leiten können. Aber keine Sorge: Am Ende wird auch so fast alles gut. Zum Fürchten ist nur, dass immer noch niemand die Wale rettet.
