Der schönste Platz auf Erden

Filmkritik

Der schönste Platz auf Erden

| Jakob Dibold |
Die unerträgliche Leichtigkeit des Gemeinde-Seins

Österreichische Zeitgeschichte abseits der Großstadt: Das geruhsame Pinkafeld wird im Jahr 2016 ungeahntes Zentrum medialen Interesses, denn der politisch weit rechts angesiedelte Bundespräsidentschaftskandidat ist „einer der ihren“. Und als solcher wird FPÖ-Mann Norbert Hofer von der an sich traditionell sozialdemokratischen Gemeinde entgegen ihrer politischen Gewohnheitsfärbung großteils unterstützt. Was schweißt hier so zusammen? Diese Frage lässt Filmemacherin Elke Groen nicht los. Mit Bedacht, jedoch nie gemütlich oder gar ziellos, durchstreift sie allerlei Facetten des Ortes. Im Vordergrund stehen dabei selbstverständlich die Menschen, die ihn bewohnen. Dabei wird allen – Wirtshausgästen, Politikern, Landwirten, Immigrierten –, die hier leben, gleichermaßen zugehört. Groen wendet hier das Prinzip an, das sich dokumentarfilmisch hierzulande schon unlängst in Ulli Gladiks Inland  bewährt hat: Die Vermittlung von Respekt und die Offerte gesprächlicher Augenhöhe lohnen sich dahingehend, dass jene, die sich in die ungewohnte Position von Meinungsbefragten begeben, ihre Gedanken und Motivationen weitgehend ungefiltert offenbaren. Eine Vorgehensweise, die sie nicht nur mit Gladik – an deren Film Groen auch mitarbeitete – gemein hat, sondern auch aktuell mit Susanne Brandstätter, die sich in This Land Is My Land  in die Denkwelten von Trump-Wählenden vorarbeitet. Die pinkafeldsche Untersuchung unterscheidet sich methodisch jedoch mindestens zweierlei: erstens und offensichtlich dadurch, dass der Mann, der den Hauptanlass verkörpert, nicht nur durch Archivmaterial präsent ist, zweitens dadurch, dass sie die politische Haltung vieler über das konkret Regionale erklärt. Erklärt, aber auch erzählt; kein Hehl daraus macht, dass das Stimmungsbild des Ortes mit genau erwählten Kontrasten komponiert wird. Die Atmosphäre des für manche, aber nicht für alle schönsten Platzes wird mit ruhiger Hand und ruhigem Auge gelungen eingefangen.

Auch, weil der Punkt des Miteinander-Redens ziemlich schnell gemacht ist, wünscht man sich insgesamt mehr jener Eindrücklichkeit, die sich keiner Interview-Position unterwirft: Die Flora, die Fauna, die Nikolos, die Krampusse, die Rituale, die jenseits von Sprachlichkeit Einblick gewähren.