franz k

Filmstart

Franz K.

| Oliver Stangl |
Beschreibung eines Kampfes

2024 jährte sich der Todestag Franz Kafkas zum 100. Mal. Aus diesem Grund konnte man hierzulande zwei Produktionen über den 1883 in Prag geborenen, in deutscher Sprache schreibenden Autor sehen: die Fernsehserie Kafka und den Kinofilm Die Herrlichkeit des Lebens, beides deutsch-österreichische Ko-Produktionen. Nun kommt als Nachzügler Agnieszka Hollands Franz K. in die Kinos.
Die polnische Regisseurin hat sich hinsichtlich ihrer Herangehensweise dafür entschieden, Fetzen aus Leben und Werk aneinanderzureihen: Animation trifft auf direkte Kameraansprache, Wackelkamera auf Zentralperspektive, kurze Verschnaufpausen auf rasante Zooms. Inhaltlich dürfte es für Menschen, die zumindest ein wenig mit Leben und Werk Kafkas vertraut sind, aber nur wenig Neues geben. Man sieht Kafka beim Schreiben und wird Zeuge, wie der übermächtige Vater herumschreit; es gibt Gespräche mit dem Lebensfreund Max Brod sowie unglückliche Erfahrungen mit Liebe und Sexualität; manchmal erfolgen Sprünge in die Kindheit, dazwischen wird der eine oder andere Kafka-Text (z. B. „In der Strafkolonie“) als Mini-Spielfilm inszeniert und ein Dialog zu jüdischer Identität eingeworfen. Schließlich kommen auch Nachwelt-Rezeption und Anachronismen dazu, beispielsweise anhand von Führungen durch das Kafka-Museum (Kommerzialisierung!) oder von Popmusik. Das Problem: Biopic-Konventionalität wird dadurch nicht vermieden, sondern nur dürftig maskiert – ein Leben nach Checkliste. Sicher, man könnte einwenden, dass Holland mit dieser Erzählweise nicht zuletzt die innere Unruhe Kafkas – die auch im Dialog thematisiert wird – visualisieren und den Schriftsteller samt Werk als mysteriös-fragementarisches Puzzle darstellen will (siehe die Roman-Fragmente), doch ergibt sich bloß der Eindruck von Beliebigkeit und Banalität. Dass sich die Ausweglosigkeit der Texte biografisch erklären lässt, ist wenig überraschend (auch wenn man, so die alte Literaturwissenschaftler-Regel, das Werk nicht auf die Biografie reduzieren soll); Gelungenes stellt sich eher dann ein, wenn der Film einmal zur Ruhe kommt. So findet Kafka einen kurzen Moment des Friedens bei einer Prostituierten namens Rosa – was Kenner an die Erzählung „Ein Landarzt“ denken lassen wird. Dort gibt es sowohl eine weibliche Figur dieses Namens als auch eine rosafarbene Wunde, die sich sexuell interpretieren lässt. Hauptdarsteller Idan Weiss ist zwar talentiert und verleiht der gequälten Seele des Schriftstellers ein Gesicht, allerdings kann man sich aufgrund der zerrütteten Erzählweise nicht voll auf seine Performance einlassen.