Glass Onion: A Knives Out Mystery

Filmstart

Glass Onion: A Knives Out Mystery

| Pamela Jahn |
Von Bond zu Blanc: Daniel Craig beweist erneut Charme und Esprit als Meisterdetektiv

Wer hätte gedacht, dass Daniel Craig von einer Franchise nahtlos in die nächste gleitet? Doch kaum ist die Trauer um Bonds Abgesang verblasst, hat sein eigenwilliger, aber genialer Privatdetektiv Benoit Blanc aus Rian Johnsons Knives Out (2019) erneut alle Hände voll zu tun, einen kniffligen Fall aufzuklären. Auch diesmal hat er es mit einem prominenten Ensemble von Verdächtigen zu tun, darunter Kate Hudson, Janelle Monáe, Leslie Odom Jr., Kathryn Hahn und Dave Bautista. Sie alle verbindet eine mehr oder weniger enge und in fast allen Fällen eigennützige Freundschaft mit dem ungeniert selbstgefälligen Tech-Mogul Miles Bron (Edward Norton). Und der hat seine alte Crew für ein Wochenende auf eine einsame Privatinsel eingeladen, um ein vertracktes Krimi-Party-Spiel zu inszenieren.
„Whodunit?“ lautet auch in Glass Onion die Frage, mit der Johnson darauf abzielt, spannende, intelligente Unterhaltung zu bieten. Nur leider fehlt es seiner extrem aufgedrehten, extrem edelverzierten Fortsetzung insgesamt an der nötigen Substanz, um den gleichen Effekt zu erzielen, der das Original so erfolgreich machte. Mit Knives Out war es dem Star Wars-Regisseur immerhin gelungen, quasi über Nacht ein ganzes Genre wiederzubeleben. Aber scheinbar hatte er Bedenken, die bewährte Formel aus Stars, Mord und klugem Witz noch einmal in ihrer bestechend einfachen Form anzuwenden. „Mehr ist mehr“ lautet zumindest die Devise, mit der er und seine Cast in Glass Onion begeistert zur Tat schreiten.

Das fängt schon bei der Ausstattung an, die Brons Multimilliardär-Status entsprechend von allem nur das Beste, Teuerste und Feinste fürs Publikum bereithält. Allerdings geht bei all dem Luxus und einem Film, der voller Gimmicks steckt, die auch 007 gefallen hätten, zunächst so manche Pointe unter zu viel Prunk verloren. Richtig in Fahrt kommt die mörderische Handlung erst, als das erste Rätsel bereits gelöst ist, und Craigs genialer Blanc seine Gehirnmuskeln richtig anstrengen muss, um einen zweiten Mord aufzuklären. Dann ist auch Johnson als Drehbuchautor mit Ass im Ärmel wieder ganz in seinem Element. Kate Hudson hat derweil sichtlich Spaß an ihrer Rolle als Fashionista mit Hang zur Peinlichkeit – aber es ist Craig, der den Film von der ersten bis zur letzten Minute zusammenhält. Zwar kann auch er nicht jene Selbstzufriedenheit überspielen, die Glass Onion im Kern eingeschrieben ist. Dafür legt er neben dem üblichen Scharfsinn eine entwaffnende Lässigkeit an den Tag, die dem mächtig aufgesetzt wirkenden gesellschaftspolitischen Kommentar auf unsere Zeit hilfreich entgegenwirkt.