Deftiges aus der Frühpubertät dreier „typischer“ US-amerikanischer Jungs.
Auf die Idee, eine Teenie-Komödie zu machen, die die Protagonisten bzw. deren Darsteller bzw. deren Gleichaltrige im Kino gar nicht sehen dürfen (oder genauer: nur in Begleitung einer/s Erwachsenen) kann auch nur einer kommen: Seth Rogen, der diesen Film mit seiner Firma Point Grey (mit)produziert hat, ebenso übrigens wie seine notorischen Buddies Evan Goldberg und Jonah Hill. Genau dieses Thema wurde schon in den Trailern angesprochen, es steht am Plakat („You must be this tall to see this film“), und es steht auch am Beginn des Films: „This is fucked up“, sagen die drei Jungs, und Seth Rogen kann das nur bestätigen.
Wie auch immer: Der Erfolg gibt dem Erfolgsgaranten Seth Rogen Recht: Schon in den ersten vier Kino-Tagen hat der bescheiden produzierte Film seine Kosten (20 Mio. Dollar) locker eingespielt, und das trotz eines nahezu unbekannten Casts – sieht man natürlich von Jacob Tremblay ab, der 2015 mit Brie Larson im Oscar-gekrönten Room und später neben Julia Roberts und Owen Wilson im Filmwunder Wonder zu sehen war. Die Handlung ist ebenso schlicht wie schnell erzählt: Max (Tremblay), Thor und Lucas, drei Zwölfjährige, die dickste Freunde sind, wollen sich auf ihre erste „Kissing Party“ (was es alles gibt!) vorbereiten. Max lässt sich überreden, mit Hilfe der Drohne seines Vaters, die zu benützen ihm streng verboten ist, zwei benachbarte ältere Teenie-Girls auszuspionieren, um zu sehen, wie Küssen geht. Doch natürlich geht alles schief, die Drohne ist kaputt und muss ersetzt werden, bevor Maxens Vater zurückkehrt. Um das Geld zur Wiederbeschaffung des Fluggeräts zusammenzubekommen, verkaufen sie das Sex-Spielzeug von Thors Eltern, handeln mit Drogen, überqueren eine achtspurige Autobahn und dergleichen mehr.
Wer sich an Superbad (2007) erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch, und auch sonst sind Parallelen zum bisherigen Schaffen der ganzen großen Blase um Seth Rogen nicht nur erkennbar, sondern ganz sicher erwünscht. Die physiognomische Ähnlichkeit etwa von Thor und Lucas zu Rogens Buddies Danny McBride und Craig Robinson ist geradezu verblüffend. Der Humor, anfangs gerade noch so über der Gürtellinie angesiedelt, rutscht mit Fortdauer des Films immer ein kleines bisschen tiefer, um schließlich (kein Spoiler) auf der Sexschaukel von Thors Eltern zu landen. Ob Zwölfjährige aktuell so reden und sich verhalten wie hier gezeigt, entzieht sich (mangels Umgang mit diesen) der Kenntnis des Rezensenten, es erscheint aber so, als seien sämtliche Kids in dem Film, egal, ob Junge oder Mädchen, um gute zwei Jahre zu jung für das, was sie hier treiben. Das ist aber letztlich nicht der Punkt, denn natürlich geht es darum, zu provozieren und die Grenzen zu verschieben, und das dürfte wohl gelungen sein.
Den Kids wird es gefallen, für Erwachsene ist der Film milde unterhaltsam und eher eine soziologische Studie. Stellenweise, das sei der Fairness halber angemerkt, ist Good Boys aber auch für unsereins lustig, etwa wenn die drei „Helden“ eine Gruppe bekiffter Studenten mittels eines Paintball-Angriffs außer Gefecht setzen. Und eine fette Botschaft ist natürlich auch mit verpackt: Sei der/die, der/die du sein willst, sonst wirst du im Leben nicht froh. Stimmt ja auch.
