Modernisierungsdruck in den Kammern der Shaolin
Kung Fu Panda 2 funktioniert prächtig. Er ist einer jener Trickfilme, die gezielt kindgerechte Niedlichkeit und klebrige Disney-Schwülstigkeit vermeiden und durch witzige Widerborstigkeit bis hin zur spöttischen Dreistigkeit auch erwachsenen Zuschauern eine Menge Spaß bereiten. DreamWorks Animation hat dabei mit perfekt getimter Unterhaltung wie Shrek, Madagascar und nun eben Kung Fu Panda 2 die Nase vorn. Das Kampfkunst-Subgenre des Ausbildungs-Fu erlebte in den Siebziger und Achtziger Jahren mit Filmen wie Drunken Master oder The 36th Chamber of Shaolin seine Blüte. Kung Fu Panda 2 bezieht sich auf den komödiantischen Strang des Genres: Ein immer etwas mürrisch-verschrobener, letztlich jedoch stets um das Wohl seines Schützlings besorgter, weiser, mit allen Wassern gewaschener Meister schleift durch harten Drill einen rüpelhaften Novizen zum Diamanten.
Daher besitzt der Panda Po nicht zufällig sehr viel Ähnlichkeiten mit den oft lethargischen und etwas tölpelhaften Figuren, mit deren Darstellungen der feiste Sammo Hung oder der für vorlaute Schlitzohrigkeit und Draufgängertum bekannte Jackie Chan (der hier den Affenkämpfer spricht) brillierten. Nachdem im ersten Teil aus dem naseweisen, ungeformten Kroppzeug Po eine Kampfkunst-Koryphäe herausmodelliert wurde, gilt es nun für den inzwischen recht moppelig gewordenen Panda, noch größeren Herausforderungen zu begegnen. Zum einen muss er sich seiner Vergangenheit stellen. Denn – große Verblüffung – der rührende Ganter Mr. Ping ist nicht sein leiblicher Vater. Auch hier wieder eine sehr klassische Motivführung nach den Regeln des Genres: Eine bislang verborgene Seite der Persönlichkeit erscheint, der Kampfkunst-Heros muss seine eigene dunkle Schicksalslinie kreuzen. Läuterung und letztes Stahlbad, um inneren Frieden finden und jetzt erst wahre Meisterschaft erlangen zu können.
Doch bevor es dazu kommt, steht Nonstop-Action, gespickt mit 10.000 Zitaten und schön herausgearbeitet in 3D, auf dem Programm. Po, der Drachenkrieger, und seine Freunde, die Furious Five, die die klassischen Kampfstile verkörpern, müssen den üblen Schurken Lord Shen in die Schranken weisen, einen tückischen, herrschsüchtigen Pfau, der die Kung-Fu-Kämpfer durch moderne Waffentechnik in die Knie zwingen und ganz China mit Pulver und Kanonen erobern will. Auch wenn es sich hauptsächlich um popkulturell überarbeitete historische Versatzstücke handelt, wird der chinesische Kulturkreis in bemerkenswerter Stimmigkeit dargestellt. Gekonnt versteht die aus dem Art- und Story-Department kommende Regiedebütantin Jennifer Yuh, den originalen Geist der chinesischen Heldenepen zu bewahren, ohne sie zu amerikanisieren.
