Spider-Man: Far from Home

Filmstart 4. Juli

Spider-Man: Far from Home

| Manuel Simbürger |
Das neue Abenteuer rund um die heldenhafte Spinne läutet die vierte Phase des MCU ein. Ein gelungener Mix aus Teenklamauk, Coming-of-Age-Story und atemberaubender Action.

Was einst Star Wars gewesen sein mag, ist heute das Marvel Cinematic Universe (MCU): 21,4 Milliarden US-Dollar hat das clever verknüpfte Universum rund um Iron Man, Captain America, Thor und Co. bis dato weltweit eingespielt, ist somit also die erfolgreichste Filmreihe der Geschichte. Mit Avengers: Endgame endete äußerst fulminant und ebenso ertragreich (inzwischen der erfolgreichste Film aller Zeiten!) die Phase 3 des MCU. Heißt: Das Schicksal der bekannten Helden ist besiegelt, unsere Lieblinge sind nach zig Blockbuster-Abenteuern endlich angekommen. Was also tun, wie also noch höher hinaus, wenn man schon ganz oben angekommen ist? Hollywoods Antwort: Ist die Reise der althergebrachten Helden beendet, schickt man neue, aber doch bekannte auf eine eben solche – in diesem Fall eine Spinne …


Wenn die Spinne eine Reise tut …

 … kann sie viel erzählen, ganz besonders, wenn sie Peter Parker heißt: Der Teenager ist immer noch der freundliche Superheld aus der Nachbarschaft, der Tod seines Mentors Tony Stark alias Iron Man macht ihm aber zu schaffen. Mindestens genauso beschäftigt den jungen Mann mit den verrückt spielenden Hormonen jedoch, wie er seine Angebetete MJ für sich gewinnen kann. Das taffe Mädel hält nämlich von romantischer Gefühlsduselei gar nicht viel. Die anstehende Klassenreise nach Europa scheint dafür wie geschaffen: Wo, wenn nicht in Venedig, finden zwei jugendliche Herzen für immer und ewig zueinander?! Petes Plan wird jedoch just zunichte gemacht, als ihn Nick Fury kontaktiert. Der ehemalige S.H.I.E.L.D.-Direktor bittet Spider-Man, mysteriöse Angriffe gefährlicher, aus Elementen bestehender Monster aufzuklären. Verstärkt wird das Team rund um Fury und Maria Hill von Mysterio, einem Besucher einer anderen Erde (davon gibt’s nämlich ziemlich viele!). Das Abenteuer führt die Helden quer durch Europa, unter anderen nach Prag, London, Berlin und sogar kurz in die österreichischen Alpen. Bald muss Peter erkennen, dass sich das Leben eines Jugendlichen und das eines Superhelden nur schwer vereinen lassen – und dass nichts so ist, wie es zu sein scheint …


Start in eine neue Ära

Nach Avengers: Endgame ist Spider-Man: Far from home der vielleicht wichtigste Film innerhalb des MCU, liegt es doch an ihm, die Fans in das nächste Zeitalter des Marvel-Universums zu begleiten und die Stilrichtung für die mit Spannung erwartete Phase 4 vorzugeben. Nach dem Abgang von Robert Downey Jr. und Chris Evans ist es nun der 23-jährige Tom Holland, der dem neuen MCU ein Gesicht gibt und, das darf man annehmen, zum maßgebenden Bindeglied der kommenden Superhelden-Epen werden wird. Spider-Man: Far from Home setzt dafür bereits einen gigantischen und wichtigen Schritt in die richtige Richtung: Der charismatische Holland erweist sich erneut als jemand, der mühelos einen Blockbuster tragen kann, mitunter spielt er gar Größen wie Jake Gyllenhaal oder Samuel L. Jackson an die Wand. Es macht Spaß, zuzusehen, wie Holland alias Peter Parker alles daran setzt, um den Spagat zwischen alltäglichen Teenie-Problemen und verantwortungsbewusstem Superhelden-Dasein zu meistern. Auch in den Szenen mit Zendaya (als MJ) sind die Funken deutlich zu spüren, die Chemie zwischen den beiden passt in jeder Sekunde. Die Zerrissenheit Peters spiegelt sich als gelungener Stilmix auch im Film an sich wieder: Spider-Man: Far from Home pendelt gekonnt zwischen Teenklamauk, Actionkracher und gefühlsbetonter Coming-of-Age-Story, bringt den Geist der Comics also mühelos auf die Leinwand. Die zahlreichen Gags sitzen, die Emotionen – besonders Peters verzweifelte Suche nach einer Vaterfigur – sind nachvollziehbar, verlieren sich aber nie im Kitschigen. Sogar einige vorsichtige Abstecher ins philosophische Fach werden geliefert, visuell ausnahmslos atemberaubend umgesetzt. Gyllenhaal, immerhin dessen erster Auftritt in einem Superhelden-Film, spielt mit sichtlichem Vergnügen und verkörpert glaubwürdig die Mischung aus verletztem Stolz, Wahnsinn und Schmerz, der Mysterio zu einem interessanten MCU-Neuzugang macht.

Wie bei jeder Reise ist natürlich auch in Spider-Man: Far from home nicht alles zur vollsten Zufriedenheit gelöst: Einige Charaktere bleiben eindimensional, da werden Hintergründe nur angedeutet anstatt umgesetzt, allen voran Marisa Tomei und Zendaya können mehr, als sie hier zeigen dürfen. Die Twists sind nicht ganz so überraschend, wie es der Film glaubhaft machen will, und aus dem Bösewicht hätte man besonders gegen Ende ein bisschen mehr machen können, hier wurde klar Potenzial verschenkt. Die meisten Gerüchte, die im Vorfeld des Filmstarts die Runde machten, haben sich zudem nicht bestätigt – ob man sich darüber freut oder ärgert, darf und muss jeder für sich selbst entscheiden.

Trotzdem: Spider-Man: Far from Home ist ein würdiger Nachfolger des fulminanten Avengers-Finales und macht einem den Mund für die kommende vierte Phase des MCU gehörig wässrig. Vielleicht jetzt schon der beste Blockbuster des Jahres!