Suicide Squad

Filmkritik

Suicide Squad

| Oliver Stangl |
David Ayers Comicadaption um ein dreckiges halbes Dutzend scheitert an dramaturgischen und erzählerischen Unzulänglichkeiten.

David Ayers Comicadaption um ein dreckiges halbes Dutzend scheitert an dramaturgischen und erzählerischen Unzulänglichkeiten.

Die Rekrutierung von Schwerverbrechern für ein Himmelfahrtskommando – wer überlebt, darf sich über Straferlass freuen – ist ein beliebter Topos, der seinen wohl berühmtesten Ausdruck in Robert Aldrichs zynischem Weltkriegsreißer The Dirty Dozen (1967) fand: Harte Action und moralische Grautöne gingen hier eine kongeniale Verbindung ein. Auch im Medium Comic gab es immer wieder Antihelden, die auf tödliche Mission geschickt wurden – bei DC gestaltete sich das „Suicide Squad“ als böser Gegenentwurf zur Justice League um Superman, Batman und Co. Das durchaus reizvolle Konzept gerät in der Adaption durch David Ayer (Fury, End of Watch) allerdings zum Chaos – daran ist aber nicht allein der Filmemacher Schuld: Die Produktionsgeschichte war von allerlei Problemen geprägt. Ayer, der sich auf harte und relativ realistische Filme zum Thema Krieg und Straßenkriminalität spezialisiert hat (er schrieb auch das Drehbuch zum Polizeidrama Training Day, das Denzel Washington den Oscar brachte), wollte offenbar einen wesentlich härteren Film drehen, als es das Werk, das jetzt hierzulande anläuft, erahnen lässt. Warner reagierte mit Nachdrehs, die mehr Humor ins Spiel bringen sollten und heuerte schließlich sogar eine auf Trailerproduktionen spezialisierte Firma für den Endschnitt an (die von Queen-Songs getragenen Trailer des Unternehmens hatten schließlich wesentlich zum Hype um Suicide Squad, der am Startwochenende Rekorde brach, beigetragen).

Das Resultat ist ein dramaturgisches Chaos, das relativ platt versucht, den Marvel-Hit Guardians of the Galaxy (auch dort geht eine Gruppe von Antihelden auf gemeinsame Mission) zu kopieren. Waren etwa Popsongs in Letzterem ein charmanter Bestandteil der Handlung, sollen hier offenbar die Unzulänglichkeiten der Handlung mit einem absolut übertriebenen Maß von musikalischer Berieselung überdeckt werden.

Die Probleme beginnen allerdings schon mit der Prämisse: „We got the worst of the worst“, verkündet die skrupellose Regierungsbeauftragte Amanda Waller (Viola Davis) stolz einer Gruppe von Generälen. Sollte nämlich eines Tages ein böser Superman die Erde heimsuchen, dann könne den Meisterschützen Deadshot (Will Smith), die akrobatische Psychopathin Harley Quinn (Margot Robbie), den Wurfgeschossexeperten Captain Boomerang (Jai Courntey), das menschliche Monster Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje) und den Fassadenkletterer Slipknot (Adam Beach) ausschicken. Doch was soll etwa eine Harley Quinn gegen übermenschliche Bedrohungen ausrichten? Wahnsinn und ein bisschen Karate reichen ebenso wenig aus, einen Superman zu bezwingen, wie Schusswaffen und Bumerangs. Der einzige mit echten Superkräften ist die menschliche Fackel El Diablo (Jay Hernandez).  Außerdem sind die weichgespülten Figuren alles andere als „the worst of the worst“: Deadshot bringt nicht einmal Frauen und Kinder um und die menschliche Fackel El Diablo ist ob seiner potenziellen Macht voller Skrupel. Ein Radovan Karadžić raucht sowas in der Pfeife.

Um noch einmal auf den Vergleich mit Marvel zurückzukommen: Die humorvolle Tonlage stand den Guardians übrigens deshalb so gut, weil es sich um charmante Ganoven handelte – doch das Suicide Squad sollte eigentlich aus skrupellosen Schwerverbrechern bestehen. Doch hätte man dann wohl aufgrund von Altersbeschränkungen nicht so viele Teenager ins Kino locken können. Halb so schlimm ist hier ironischerweise doppelt so schlimm.

Die eigentliche Handlung – eine jahrtausendealte Hexe im Körper einer jungen Frau sorgt für Zerstörung – ist lahm, die behauptete Bindung zwischen den Figuren, die sich gegen Ende als Freunde, gar Familie bezeichnen, durch nichts vorbereitet. Cara Delevigne als Hexe ist zudem schauspielerisch überfordert – andererseits gibt die Rolle auch nichts her. Harley Quinn, die eigentlich das meiste Potenzial gehabt hätte, bleibt hauptsächlich wegen des knappen Outfits, das zu Halloween wohl von vielen Teenagern getragen werden wird, in Erinnerung. Harleys Freund, der Joker (Jared Leto), der im Marketing eine prominente Rolle spielte, ist hier im wahrsten Sinn des Wortes eine Witzfigur, die nur relativ kurz vorkommt (anscheinend fielen viele seiner Szenen dem Schnitt zum Opfer, da die häusliche Gewalt zwischen ihm und Harley bei Testvorführungen nicht gut ankam). Abgerundet wird das schlechte Gesamtbild noch durch Spezialeffekte, die in manchen Szenen nicht wirklich überzeugen.

Mission: gescheitert. Das nächste Mal bitte wirklich böse Menschen ausschicken.