Eine Comedy über Superhelden im Altersheim, die statt auf Empowerment-Messages auf ärgerliche Senioren-Gags setzt und so auch dem Publikum kostbare Lebenszeit stiehlt. Eine vergebene Chance.
Weil es nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im realen Leben vor Superhelden nur so wimmelt und man schließlich immer an die Zukunft denken muss, wurde das irische Anwesen Dunmanor zu einem Seniorenheim für frühere Superhelden umgebaut. Die Helden außer Dienst haben zum Teil nicht nur ihre Kräfte nicht mehr im Griff – weshalb speziell geschultes Personal her muss! –, sie weinen auch ihren glorreichen Zeiten nach, als sie noch die Welt retteten und die Menschheit ihnen zujubelte. Ray, einst der weltberühmte „Maximum Justice“, ist einer von ihnen. Er kann sich nur schwer damit abfinden, dass seine Tage nun aus Bingo spielen und im Wasser plantschen bestehen sollen. Als Jerry „Rainbow Warrior“ stirbt und dessen Superheldenkräfte geraubt werden, ahnt Ray die drohende Gefahr. Die einzigen, die ihm glauben, sind seine alten (Super-)Freunde Ted, Madera und Pendle. Aber was können Senioren schon ausrichten? Schließlich, meint Ray verbittert, sei ihre einzige noch tadellos funktionierende Superkraft die aller alten Menschen: jene der Unsichtbarkeit …
Die Thematik von alternden Superhelden ist eine interessante, wenn gleich auch keine neue: Schon Frank Miller ging 1986 in seinem wegweisenden Graphic Novel „The Dark Knight Returns“ der Frage nach, was passiert, wenn sich ein pensionierter Batman in einer plötzlich von Medien beherrschten Welt neu zurechtfinden muss (und auf einen ebenso gealterten Superman trifft) – und schuf so eine düstere, faszinierende Charakterstudie sowie eine Parabel auf eine rücksichtslose Mediengesellschaft. Viele Jahre später (2015) zeigte auch die TV-Serie Powers Helden, die ihre Super-Zeit hinter sich haben, diesmal in Form einer kreativen, wenn auch etwas unausgegorenen Satire auf den Star-Hype Hollywoods und die kommerzielle Popkultur. Sogar der Mega-Blockbuster Avengers: Endgame streifte vorsichtig und pocorntauglich das Konzept der Superhelden-Pension. Und, natürlich: Der Animationshit The Incredibles, eine familientaugliche Comedy mit Herz, in der sich Papa Bob nach seinen Tagen als gefeierter Superheld zurücksehnt.
Supervized von Regisseur Steve Barron (der immerhin u.a. für die Musikclips von a-ha’s Take on Me und Michael Jacksons Billie Jean, aber auch für den Neunziger-Filmhit Teenage Mutant Ninja Turtles verantwortlich zeichnet) will von alledem ein bisschen sein, versagt aber auf ganzer Linie: Als Parodie auf das Superhelden-Genre kommt der Film schlicht zu langweilig und zu langsam erzählt daher, als Kritik an gesellschaftlicher Altersdiskriminierung bietet er zu wenig ernsthafte Momente und verlässt sich stattdessen – und das ist das größte Ärgernis an Supervized – auf altbekannte, abgedroschene und weit unter die Gürtellinie abzielende (Situationskomik-)Seniorengags, die jegliche zumindest ansatzweise vorhandene Empowerment-Messages zunichte machen. Für einen Superhelden-Blockbuster à la Marvel oder DC sind die Special Effects natürlich viel zu erbärmlich und outen sich als Low-Budget-Opfer, obwohl auch hier in einzelnen wenigen Szenen angedeutet wird, was hätte sein können, wenn nicht nur mehr Geld, sondern auch ein größerer Wille und Mut zu Action dagewesen wäre. Und für die Jüngsten im Publikum ist Supervized auch nur bedingt zu empfehlen, weil eben: Witze, die nur wenig kindertauglich sind. Homophobe Jokes sollten in einer „alterslosen“ Comedy – und das möchte Supervized schließlich sein – ohnehin nichts zu suchen haben.
Potenzial wäre also durchaus da gewesen, hätten sich Barron und Ko-Autor John Niven (in seinen Romanen eigentlich für originelle Grenzüberschreitungen bekannt) getraut, vertraute (Superhelden-)Pfade zu verlassen und zumindest im Ansatz neue Wege zu beschreiten – immerhin handelt es sich hier um einen Indie-Film! Warum der fehlende Mut zu einem Superhelden-Fetz-Actionkracher mit einem Schuss Genre-Ironie? Dass Durchsetzungsvermögen, Faustschläge und Abenteuerlust keine Frage des Alters sind, haben auch schon R.E.D. oder The Expendables bewiesen. Wieso muss es wieder mal eine Comedy sein, wenn alternde (und ja: auch geriatrische) Superhelden im Fokus stehen – und kein Charakterdrama mit Tiefgang? In Supervized bleiben die Protagonisten meist erstaunlich passiv, selbst zur finalen Lösung tragen sie im Grunde nur sehr wenig bei. Es mag zwar nett sein, wenn man – natürlich! – die Protagonisten wieder in ihren alten Superhelden-Kostümen sieht, die so gar nichts gemein haben mit den supermodernen und sexy Anzügen der Avengers oder der Justice League, sondern eher an die Sixties-TV-Serie Batman erinnern, aber auch da hat man das Gefühl, man wolle sich über die Protagonisten eher lustig machen, anstatt sie in ihrem Selbstwert zu stärken. Kurz: Supervized ist super-safe. So safe sogar, dass das Love Triangle zwischen Ray, Madera und Pendle sofort im Keim erstickt wird. Bloß kein ernstgemeiner Liebeskummer bei Menschen jenseits der 70! Auch sonst bleiben die Figuren ohne Ecken und Kanten und großteils farblos.
Die Story selbst ist vorhersehbar und orientiert sich an einer Art Bösewicht, den man nicht zuletzt aus der erfolgreichen TV-Serie Heroes bereits kennt. Die Schauspieler mögen mitunter Spaß an der Sache haben, meistens aber ist ihnen ins Gesicht geschrieben, dass sie selbst am wenigsten wissen, was sie hier eigentlich tun. Einzig die wie immer wunderbare Fionnula Flanagan kann ihrer Figur Tiefe verleihen und erweist sich – einmal mehr – ab ihrem ersten Auftritt als Scene-Stealer.
Fazit: Supervized erweist sich als ärgerlich vergebene Chance: Was ein neuer Superhelden-Trend hätte werden können, erweist sich nur als weiteres Konglomerat aus abgedroschenen Senioren-Witzen und fehlendem Mut und Kreativität der Filmindustrie. Supervized ist am Ende das, was er gerade nicht sein will: der Beweis, dass alte Menschen in der Gesellschaft weiterhin nicht ernst genommen werden.
