Viennale – Ein Interview mit Jane Fonda

| Daniela Sannwald |

Die Viennale hat Wien wieder im Griff. Der absolute Festival-Höhepunkt ist in diesem Jahr die Anwesenheit der zweifachen Oscar-Preisträgerin und politischen Aktivistin Jane Fonda. Ein Interview.

Ein deutscher Filmkritiker meinte einmal mit Blick auf Ihre politischen Aktivitäten, attraktive Frauen hätten es leichter, sich Gehör zu verschaffen, als weniger attraktive. Würden Sie dem zustimmen?
Nicht unbedingt. Mir fallen sofort mehrere so genannte „weniger attraktive“ Frauen – etwa Golda Meir oder Margaret Thatcher – ein, die sich sehr wohl Aufmerksamkeit zu verschaffen wussten. Aber attraktive Frauen müssen sich nicht zuerst intellektuell beweisen, bevor man ihnen zuhört, das ist vielleicht ein Startvorteil.

Zu Beginn Ihrer Karriere in den 60er Jahren galten Sie als die amerikanische Antwort auf Brigitte Bardot. War Ihr Auftreten gegen den Vietnamkrieg auch so etwas wie eine Befreiung von diesem Image?
Ich habe diese Vergleiche mit Brigitte Bardot eigentlich niemals wirklich ernst genommen. Mein politisches Engagement hatte nichts mit einem Imagewandel zu tun, sondern nur mit meiner Einstellung gegenüber dem Vietnamkrieg selbst.

Für Ihre Rolle in Klute haben Sie 1972 den Oscar gewonnen, zu dieser Zeit nannte man Sie wegen dieses politischen Engagements „Hanoi-Jane“. War der Gewinn des Oscars hilfreich, um Ihre politischen Anliegen zu kommunizieren?
Ich habe meinen ersten Oscar gewonnen, bevor ich nach Hanoi gereist bin. Nach diesem Oscar habe ich in Erwägung gezogen, Hollywood zu verlassen und nur noch als politische Aktivistin in Erscheinung zu treten. Aber ein kluger Mann meinte: „Pass auf, Jane, Aktivisten hat die Bewegung wie Sand am Meer. Aber wir haben keine Oscar-Gewinnerin in unseren Reihen, also setz deine Karriere besser fort.“ Das habe ich auch getan, ich habe von da an meinem Beruf immer genügend Aufmerksamkeit geschenkt.

Durch Ihre Rolle in Klute bekam die Anti-Establishment-Bewegung auch so etwas wie einen glamourösen Touch. Wie denken Sie heute über die Ihnen zugedachte Rolle als erotische Ikone der Rebellion?
Um ehrlich zu sein, damit kann ich recht wenig anfangen. Ich selbst habe mich niemals als „erotische Ikone der Rebellion“ gesehen.

Sie personifizieren seit vielen Jahrzehnten den Zeitgeist, als Schauspielerin, als Leitfigur für die Frauenbewegung, für politisch engagierte Bürger, als Aerobic-Trainerin und als jemand, der scheinbar vom Alter völlig unberührt bleibt. Welche Phase Ihrer Karriere würden Sie als die beste ansehen?
Aber natürlich hat der Prozess des Alterns Auswirkungen für mich! Ich bin jetzt weiser, glücklicher und ausgeglichener. Ich bin eine vitale Großmutter mit einem neuen Hüftgelenk. Ich achte auf mich – das Alter kann auch eine Zeit des Lernens, der persönlichen Weiterentwicklung und der Vitalität sein, wenn man gesund lebt. Ich möchte mit meinen Enkelkindern spielen und herumtollen können. Im Moment habe ich die beste Zeit meines Lebens!

Glauben Sie, dass die immer größere Anzahl weiblicher Filmproduzenten dafür sorgen wird, dass auch Schauspielerinnen jenseits der Vierziger bessere Rollen bekommen werden?
Vielleicht, das könnte schon hilfreich sein. Aber Filme machen ist ein Geschäft, und wer immer in diesem Geschäft überleben will, muss Filme produzieren, die das Publikum auch sehen möchte. Wahrscheinlich werden Produzentinnen mehr darauf achten, dass in ihren Produktionen komplexere weibliche Charaktere vorkommen. Aber viel wichtiger wäre ein allgemeines Überdenken der Einstellung dem Alter gegenüber. In Europa und Asien hat man viel mehr Respekt vor älteren Menschen als in den USA. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, um da eine Änderung herbeizuführen, deswegen schreibe ich auch an einem Buch. Und wenn ich einen Film zu diesem Thema machen könnte, wäre das mit einer Produzentin sicher einfacher.

Während Sie mit Ted Turner verheiratet waren, hat er 1998 der UNO eine Milliarde Dollar gespendet – geht das auf Ihren Einfluss zurück?
Nein, Ted interessierte sich bereits für die Aufgaben der UNO, bevor wir verheiratet waren. Aber ich habe wahrscheinlich dazu beigetragen, sein Verständnis für die Belange von Frauen zu erhöhen. Armut kann man nicht effektiv bekämpfen, wenn man nicht die Position der Frau in der Gesellschaft stärkt, Frauen und Mädchen tragen ganz wesentlich zu gesellschaftlichen Veränderungen bei.

Sind Ihre Bedenken bezüglich des Irakkriegs ebenso groß wie jene gegenüber Vietnam? Wo sehen Sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen diesen Kriegen?
Da gibt es etliche Gemeinsamkeiten: die Arroganz der USA; das fehlende Wissen über jenes Land, gegen das man Krieg führt; ein Krieg, der auf Lügen basiert und für den man keine Exit-Strategie hat. In gewisser Weise ist der Irakkrieg schlimmer als der in Vietnam, nämlich was die regionalen und globalen Auswirkungen betrifft. Diese Katastrophe wird uns noch viele Jahre verfolgen und dem Land wichtige Ressourcen blockieren, die für die Verbesserung des Gesundheitswesens, der Schulen, den Wiederaufbau von New Orleans bitter benötigt würden. Darüber bin ich sehr besorgt, aber es gibt einen Grund, warum ich mich nicht zu stark in der Anti-Kriegs-Bewegung engagiere. Die Konservativen könnten meine politischen Aktivitäten in der Vergangenheit dazu benützen, um von den tatsächlichen, aktuellen Problemen abzulenken.

Haben Sie jemals daran gedacht, selbst ein politisches Amt anzunehmen?
Nein, ich denke, dafür habe ich nicht das richtige Temperament. Ich war mit einem Politiker verheiratet, Tom Hayden, da konnte ich das politische Alltagsgeschäft beobachten. Ich möchte nicht zynisch werden, aber das würde mich krank machen. Ich glaube, ich kann Dinge viel effizienter verändern, wenn ich mich von Washington und seinen Institutionen fernhalte. Außerdem führe ich nun ein beschauliches, kontemplativeres Leben. Ich verbringe Wochen allein auf meiner Ranch, wo ich lese, schreibe, fische und meditiere. Das lässt sich mit einem politischen Amt nicht vereinbaren.