Heimat ist ein Raum aus Zeit

Filmfestival

Profis mit Taktgefühl für Bilder

| Jakob Dibold |
Zum Zwanziger ein neuer Name: Aus Filmplus wurde Edimotion. Das viele Unvorhergesehene im Jahr 2020 hindert das Kölner Festival für Filmschnitt und Montagekunst glücklicherweise nicht daran, von 23. bis 26. Oktober ein kleines Jubiläum zu feiern. Eine Vorschau.

Es sind diesmal je fünf Kinodokumentar-, Spiel- und Kurzfilme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die im Rennen um die Schnitt-Preise konkurrieren, wobei die Schweiz (der sich auch der diesjährige Gastlandabend widmet) erstmals für die Langfilm-Wettbewerbe zugelassen ist. Gewürdigt werden bei Edimotion selbstredend explizit die Editorinnen und Editoren, deren maßgebliche Leistung und Teilhabe trotz der teilweise großen Reichweite und Bekanntheit der Filme andernorts noch nicht ausreichend ins Rampenlicht gerückt wurde. So sind unter vielen anderen Stephan Bechinger und Julia Kovalenko für Systemsprenger in der Sektion Spielfilm, Chris Wright für Heimat ist ein Raum aus Zeit in der Sektion Dokumentarfilm und Madlen Sieghartsleitner für Mountain Cat in der Sektion Kurzfilm nominiert. Auch Regieführende, die selbst schneiden, sind vertreten; mit Sebastian Brameshuber für Bewegungen eines nahen Bergs und Peter Brunner für To the Night auch zwei österreichische Filmschaffende. Der Ehrenpreis geht heuer an Karin Schöning, die sich mit der Montage von über 50 Dokumentarfilmen für Kino und TV und ihrer herausragenden Arbeit an DDR-Dokumenten über die Jahrzehnte verdient gemacht hat.

Neben dem – aus naheliegenden Gründen heuer online aufgezeichneten – Internationalen Panel, das sich heuer dem produktiven Potenzial von Deep Fakes widmet und dem International Film Editors Forum, das direkt die Arbeitsbedingungen in der Pandemie behandelt, ist es zum dritten Mal die Edimotion Akademie, die eine überaus wichtige Stütze des Festivals darstellt.

Schon länger tätige Editorinnen und Editoren bringen darin aufstrebenden wieder vielerlei ihrer Expertise näher. Dabei ist es über den Fokus auf Ton und die Praxis im „New Normal“ hinaus vor allem der Workshop des österreichischen Schnittmeisters und Produzenten Oliver Neumann (Freibeuter Film), der Ungewöhnliches, ja Besonderes verspricht: Am Beispiel des sich derzeit noch in Postproduktion befindlichen neuesten Ruzowitzky-Films Hinterland wird Neumann den Teilnehmenden die außergewöhnliche Herausforderung der Schnittarbeit an einem komplett in Bluescreen gedrehten Film näherbringen. In mehrfacher Hinsicht ein VFX-Abenteuer, ebenso in mehrfacher Hinsicht digital – erarbeitet wird (natürlich) in einer Zoom-Konferenz, allerdings coronabedingt erst Anfang 2021. Die die Akademie komplettierende Masterclass kommt diesmal von Cutterin Marie-Hélène Dozo.

Bei so viel Programm dürfen die wesentlichen Gegenstände natürlich nicht vergessen werden: Die zahlreichen Film-Screenings finden nicht nur vor Ort im Kölner Filmforum im Museum Ludwig und im OFF-Broadway, sondern wie viele andere Programmpunkte zusätzlich online via Stream statt.