Backstage Wiener Staatsoper

Filmkritik

Backstage Wiener Staatsoper

| Oliver Stangl |
We All Love the Opera

Wiener Institutionen – seien sie ehrwürdig, skurril, morbide oder gar eine Melange aus all diesen Attributen – erfreuen sich bei Dokumentarfilmern unverändert großer Beliebtheit. So wurden etwa die Klassiker Zentralfriedhof und Prater schon mehrfach für Film und Fernsehen porträtiert, dem legendären Bellaria Kino ein filmisches Denkmal gesetzt (Bellaria – So lange wir leben, 2002, R: Douglas Wolfsperger) oder das Kunsthistorische Museum in Augenschein genommen (Johannes Holzhausens Das große Museum, 2014). Im Februar erst blickte Hans Andreas Guttners Die Burg hinter die Fassade des berühmten Theaters am Ring. Dass im Musikland Österreich irgendwann auch einmal die renommierte Wiener Staatsoper dokumentarisch aufbereitet werden würde, war also nur eine Frage der Zeit.

Zwischen Film und Oper Parallelen zu finden fällt nicht schwer, denn um Geschichten zu erzählen, braucht es bei beiden ein gewisses Maß an Technik und Teamwork – Aspekte, die in Stephanus Domanigs Backstage Wiener Staatsoper zuhauf vorkommen. Als roter Faden durch den Film zieht sich dabei die Arbeit an Camille Saint-Saëns’ 1877 uraufgeführter Oper „Samson et Dalila“, die von der Konzeption des Bühnenbilds über die Proben bis hin zur Premiere begleitet wird, doch werden auch andere Werke – etwa Tschaikowskis „Nussknacker“ in Form einer Ballettprobe – gestreift. Gleichberechtigt mit den künstlerischen Vorgängen thematisiert der Film die notwendige Bürokratie hinter dem Apparat: So erzählt etwa das Verwaltungspersonal vom Einholen von Bewilligungen für den Auftritt von Tieren auf der Bühne, von Einsprüchen gegen Einberufungen zum Heer oder der Verwaltung von Miet-, Pacht- und Sponsorverträgen. Zahlreiche Wortspenden – eine Kombination aus klassischer Interviewsituation und spontan eingefangenen Gesprächen – ergeben einen Mix aus humorvollen Anekdoten und Hintergrundinformationen. Eventuelle Vorurteile gegen Elitarismus werden durch jede Menge Menscheln konterkariert, die Intensität hinter jeder Produktion wird dabei besonders aus der Sicht der Bühnenarbeiter spürbar: „Es hat schon Situationen gegeben, wo vorne die Ouvertüre gespielt wurde und wir hinten noch nicht fertig waren“, erzählt etwa Bühneninspektor Willibald Neuziel.

Regisseur Domanig geht es nicht um ein über sich selbst hinausweisendes, auf gesellschaftspolitische Strukturen zielendes Institutionenporträt im Stil eines Frederick Wiseman. Die in ruhigem, aber nicht langsamem Tempo gestaltete Doku – Franz Moritz’ Schnitt lässt jeder Ebene Raum, Eva Testors präzise Kameraarbeit besticht in spontanen Momenten ebenso wie bei tableauhaften Einstellungen – bleibt tatsächlich beim Thema. Und somit ist Backstage Wiener Staatsoper, was es ist: ein informativer Blick hinter die Kulissen.